Veröffentlicht:29. Juni 2026
In der Zusammenarbeit zwischen Versicherungsmaklern und Versicherern zeigt sich seit einiger Zeit ein spürbarer Stimmungswandel. Immer häufiger äußern Makler die Sorge, dass die fachliche Kompetenz ihrer Ansprechpartner bei Versicherern nachgelassen habe. Was früher als verlässliche Expertise galt, wird heute zunehmend als lückenhaft wahrgenommen. Die Frage, ob tatsächlich weniger Wissen vorhanden ist oder ob sich die Branche strukturell verändert hat, lässt sich jedoch nicht mit einem einfachen Urteil beantworten. Vielmehr entsteht ein komplexes Zusammenspiel aus gestiegenen Anforderungen, organisatorischem Wandel und veränderten Rollenbildern, das die Wahrnehmung der Makler prägt.
Makler berichten vor allem davon, dass Ansprechpartner bei Versicherern Fragen nicht mehr unmittelbar beantworten könnten und häufiger Rücksprache halten müssten. Besonders bei individuellen Deckungskonzepten oder anspruchsvollen Gewerberisiken entstehe der Eindruck, dass Wissen fehle oder Prozesse Vorrang vor inhaltlicher Tiefe hätten. Gleichzeitig hat sich die Risikolandschaft in den vergangenen Jahren stark verändert. Neue Bedrohungen wie Cyberangriffe, strengere ESG-Vorgaben und komplexere Haftungsfragen verlangen ein deutlich breiteres und tieferes Fachwissen als früher. Was einst auf Erfahrungswerten beruhte, erfordert heute spezialisierte Kenntnisse, die nicht jeder Ansprechpartner gleichermaßen abdecken kann.
Ein wesentlicher Faktor ist der demografische Wandel. Viele Versicherer verlieren derzeit erfahrene Mitarbeiter, die über Jahrzehnte hinweg wertvolles Fach- und Erfahrungswissen aufgebaut haben. Mit ihrem Ausscheiden geht nicht nur Produktkenntnis verloren, sondern auch ein tiefes Verständnis für Branchenbesonderheiten und historische Schadenverläufe. Gleichzeitig fällt es Unternehmen schwer, ausreichend qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen. Fusionen und Umstrukturierungen verstärken diesen Effekt, weil sie häufig mit Personalabbau oder vorzeitigen Ruhestandsregelungen einhergehen. Die Folge ist ein Vakuum, das sich nicht allein durch Dokumentation oder Schulungen schließen lässt.
Besonders deutlich wird die Kritik der Makler in Bereichen, in denen Spezialwissen unverzichtbar ist. Gewerbe- und Industrieversicherungen gehören dazu. Makler, die sich seit Jahren mit bestimmten Branchen beschäftigen, verfügen oft über ein tiefes, praxisnahes Verständnis für Risiken, Abläufe und regulatorische Anforderungen. Ein Beispiel ist die Galvaniktechnik, in der Makler typische Schadenmuster, behördliche Vorgaben und branchenspezifische Besonderheiten genau kennen. Versicherer hingegen argumentieren aus einer stärker strukturellen Perspektive. Sie orientieren sich an Annahmerichtlinien, Rückversicherungsvorgaben und Portfoliosteuerung. Dadurch entsteht ein natürlicher Unterschied im Blick auf Risiken, denn Makler denken im Einzelfall, während Versicherer im Portfolio denken.
Hinzu kommt, dass viele Versicherer ihre Organisationen in den vergangenen Jahren stark standardisiert haben. Zentralisierte Strukturen sollen Effizienz schaffen, führen aber dazu, dass der erste Ansprechpartner häufig eher koordiniert als fachlich entscheidet. Die Expertise sitzt in nachgelagerten Einheiten, die Makler nicht unmittelbar erleben. Dadurch entsteht leicht der Eindruck mangelnder Kompetenz, obwohl sie intern durchaus vorhanden ist. Gleichzeitig verändert sich das Kompetenzprofil in der Branche. Klassisches Produktwissen verliert an Bedeutung, während Datenanalyse, Modellierung, IT und künstliche Intelligenz immer wichtiger werden. Rollen verschieben sich, und mit ihnen die Erwartungen an die Mitarbeiter.
Die Frage, ob künstliche Intelligenz diese Entwicklung ausgleichen kann, wird zunehmend diskutiert. KI macht Wissen schneller verfügbar und kann Standardfragen effizient beantworten. Doch sie ersetzt keine Erfahrung und keine Urteilskraft. Komplexe Risiken lassen sich nicht allein durch Daten interpretieren. Ein Recyclingbetrieb, ein Chemieunternehmen oder ein Galvanikbetrieb erfordert ein tiefes Verständnis für Prozesse, Gefahrenquellen und branchenspezifische Besonderheiten. KI kann unterstützen, aber nicht entscheiden. Die eigentliche Herausforderung für Versicherer liegt daher nicht im Zugang zu Wissen, sondern in dessen wirksamer Nutzung und in der Fähigkeit, dieses Wissen im Kontakt mit Maklern sichtbar zu machen.
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Kompetenz im Versicherungsmarkt weiterhin ein entscheidender Erfolgsfaktor ist. Makler erwarten Ansprechpartner, die Risiken verstehen, Entscheidungen begründen und im Einzelfall Orientierung geben können. Die Branche steht vor der Aufgabe, Wissen neu zu organisieren, Nachwuchs zu qualifizieren und technologische Unterstützung sinnvoll einzusetzen. Nur wenn es gelingt, Expertise und Effizienz miteinander zu verbinden, kann das Vertrauen zwischen Maklern und Versicherern gestärkt werden, auch in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz immer mehr Aufgaben übernimmt.
Den Originaltext lesen sie hier: Warum Makler Wissenslücken bei Versicherern beklagen
Versicherer unter Druck: Makler fordern mehr Fachkompetenz
Veröffentlicht:29. Juni 2026
In der Zusammenarbeit zwischen Versicherungsmaklern und Versicherern zeigt sich seit einiger Zeit ein spürbarer Stimmungswandel. Immer häufiger äußern Makler die Sorge, dass die fachliche Kompetenz ihrer Ansprechpartner bei Versicherern nachgelassen habe. Was früher als verlässliche Expertise galt, wird heute zunehmend als lückenhaft wahrgenommen. Die Frage, ob tatsächlich weniger Wissen vorhanden ist oder ob sich die Branche strukturell verändert hat, lässt sich jedoch nicht mit einem einfachen Urteil beantworten. Vielmehr entsteht ein komplexes Zusammenspiel aus gestiegenen Anforderungen, organisatorischem Wandel und veränderten Rollenbildern, das die Wahrnehmung der Makler prägt.
Makler berichten vor allem davon, dass Ansprechpartner bei Versicherern Fragen nicht mehr unmittelbar beantworten könnten und häufiger Rücksprache halten müssten. Besonders bei individuellen Deckungskonzepten oder anspruchsvollen Gewerberisiken entstehe der Eindruck, dass Wissen fehle oder Prozesse Vorrang vor inhaltlicher Tiefe hätten. Gleichzeitig hat sich die Risikolandschaft in den vergangenen Jahren stark verändert. Neue Bedrohungen wie Cyberangriffe, strengere ESG-Vorgaben und komplexere Haftungsfragen verlangen ein deutlich breiteres und tieferes Fachwissen als früher. Was einst auf Erfahrungswerten beruhte, erfordert heute spezialisierte Kenntnisse, die nicht jeder Ansprechpartner gleichermaßen abdecken kann.
Ein wesentlicher Faktor ist der demografische Wandel. Viele Versicherer verlieren derzeit erfahrene Mitarbeiter, die über Jahrzehnte hinweg wertvolles Fach- und Erfahrungswissen aufgebaut haben. Mit ihrem Ausscheiden geht nicht nur Produktkenntnis verloren, sondern auch ein tiefes Verständnis für Branchenbesonderheiten und historische Schadenverläufe. Gleichzeitig fällt es Unternehmen schwer, ausreichend qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen. Fusionen und Umstrukturierungen verstärken diesen Effekt, weil sie häufig mit Personalabbau oder vorzeitigen Ruhestandsregelungen einhergehen. Die Folge ist ein Vakuum, das sich nicht allein durch Dokumentation oder Schulungen schließen lässt.
Besonders deutlich wird die Kritik der Makler in Bereichen, in denen Spezialwissen unverzichtbar ist. Gewerbe- und Industrieversicherungen gehören dazu. Makler, die sich seit Jahren mit bestimmten Branchen beschäftigen, verfügen oft über ein tiefes, praxisnahes Verständnis für Risiken, Abläufe und regulatorische Anforderungen. Ein Beispiel ist die Galvaniktechnik, in der Makler typische Schadenmuster, behördliche Vorgaben und branchenspezifische Besonderheiten genau kennen. Versicherer hingegen argumentieren aus einer stärker strukturellen Perspektive. Sie orientieren sich an Annahmerichtlinien, Rückversicherungsvorgaben und Portfoliosteuerung. Dadurch entsteht ein natürlicher Unterschied im Blick auf Risiken, denn Makler denken im Einzelfall, während Versicherer im Portfolio denken.
Hinzu kommt, dass viele Versicherer ihre Organisationen in den vergangenen Jahren stark standardisiert haben. Zentralisierte Strukturen sollen Effizienz schaffen, führen aber dazu, dass der erste Ansprechpartner häufig eher koordiniert als fachlich entscheidet. Die Expertise sitzt in nachgelagerten Einheiten, die Makler nicht unmittelbar erleben. Dadurch entsteht leicht der Eindruck mangelnder Kompetenz, obwohl sie intern durchaus vorhanden ist. Gleichzeitig verändert sich das Kompetenzprofil in der Branche. Klassisches Produktwissen verliert an Bedeutung, während Datenanalyse, Modellierung, IT und künstliche Intelligenz immer wichtiger werden. Rollen verschieben sich, und mit ihnen die Erwartungen an die Mitarbeiter.
Die Frage, ob künstliche Intelligenz diese Entwicklung ausgleichen kann, wird zunehmend diskutiert. KI macht Wissen schneller verfügbar und kann Standardfragen effizient beantworten. Doch sie ersetzt keine Erfahrung und keine Urteilskraft. Komplexe Risiken lassen sich nicht allein durch Daten interpretieren. Ein Recyclingbetrieb, ein Chemieunternehmen oder ein Galvanikbetrieb erfordert ein tiefes Verständnis für Prozesse, Gefahrenquellen und branchenspezifische Besonderheiten. KI kann unterstützen, aber nicht entscheiden. Die eigentliche Herausforderung für Versicherer liegt daher nicht im Zugang zu Wissen, sondern in dessen wirksamer Nutzung und in der Fähigkeit, dieses Wissen im Kontakt mit Maklern sichtbar zu machen.
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Kompetenz im Versicherungsmarkt weiterhin ein entscheidender Erfolgsfaktor ist. Makler erwarten Ansprechpartner, die Risiken verstehen, Entscheidungen begründen und im Einzelfall Orientierung geben können. Die Branche steht vor der Aufgabe, Wissen neu zu organisieren, Nachwuchs zu qualifizieren und technologische Unterstützung sinnvoll einzusetzen. Nur wenn es gelingt, Expertise und Effizienz miteinander zu verbinden, kann das Vertrauen zwischen Maklern und Versicherern gestärkt werden, auch in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz immer mehr Aufgaben übernimmt.
Den Originaltext lesen sie hier: Warum Makler Wissenslücken bei Versicherern beklagen








