BIPRO setzt Impulse für gemeinsame KI-Strategie

Kategorien: Featured, KI, Software, Vereine und Verbände4,4 min read

Die BIPRO hat in Neuss ihr zwanzigjähriges Bestehen gefeiert und den Jubiläumskongress genutzt, um die Versicherungsbranche auf eine gemeinsame Zukunft im KI-Zeitalter einzuschwören. Rund vierhundert Teilnehmende kamen in der Stadthalle zusammen, um zwei Jahrzehnte Prozessstandardisierung zu würdigen und gleichzeitig die Frage zu diskutieren, wie sich die Branche in einer Zeit rasanter technologischer Umbrüche neu aufstellen muss. Präsident Frank Schrills eröffnete die Veranstaltung mit einer Standortbestimmung, die Rückblick und Zukunftsauftrag miteinander verband. Das modernisierte Logo, das den Namen BIPRO künftig in durchgehenden Großbuchstaben zeigt, soll diesen Anspruch sichtbar machen und die Verbindung von Tradition und Erneuerung betonen.

Die Geschichte des Vereins begann im Jahr 2004, als sich der Düsseldorfer Kreis erstmals traf, um die Prozessabläufe im Versicherungsvertrieb zu strukturieren. Zwei Jahre später wurde die BIPRO offiziell gegründet, mit dem Ziel, fachlich-technische Konventionen zu entwickeln, die Geschäftsprozesse vereinheitlichen und effizienter machen. Heute zählt der Verein 329 Mitglieder aus Versicherern, Vermittlern und Dienstleistern. Die neutrale, marktgruppenübergreifende Zusammenarbeit bildet bis heute das Fundament des Erfolgs. Ein wichtiger Meilenstein war die Gründung der BIPRO Service GmbH, die mit dem BIPRO-Hub eine zentrale Branchendrehscheibe betreibt. Dort sind inzwischen 26 Unternehmen aktiv, und der Hub soll künftig neben der bekannten 430er-Norm auch den Stack RNext Schaden anbieten. Zum Jubiläumskongress wurden zudem zwei weitere große Versicherer gewonnen, deren Teilnahme bis zur offiziellen Verkündung vertraulich blieb.

Der BIPRO-Tag stand jedoch nicht nur im Zeichen des Rückblicks, sondern vor allem im Zeichen der künstlichen Intelligenz. Schrills bezeichnete KI als neue industrielle Revolution, die nicht nur die Versicherungsbranche, sondern die gesamte Gesellschaft verändern werde. Er sprach über Chancen und Risiken, über Energiebedarf, Arbeitsplatzsorgen und die Frage, wie sich KI kontrollieren lässt. Einer verbreiteten These widersprach er deutlich: Die Vorstellung, KI mache Standards überflüssig, sei falsch. Strukturierte Daten seien für Sprachmodelle unverzichtbar, weil sie Fehler reduzieren, Halluzinationen vermeiden und Rechenaufwand senken. KI verschiebe die Rolle der BIPRO von der klassischen Schnittstellenlogik hin zu einem erweiterten Normraum, in dem nicht nur Systeme, sondern auch Agenten, Daten, Dokumente und Entscheidungen miteinander verbunden werden müssen. Als Orientierungspunkt nannte Schrills das Model Context Protocol, das als technischer Rahmen für einen modernisierten BIPRO-Standard dienen könne.

Die anschließende Diskussionsrunde bestätigte diese Einschätzung. Sasha Justmann von blau direkt warnte davor, sich ausschließlich auf einzelne Use Cases zu konzentrieren. Der eigentliche Fortschritt liege in der Reduktion von Fehlerquoten und Durchlaufzeiten, denn ein Prozess sei nur dann wirklich gut, wenn er keine Nacharbeit erzeuge und das Kundenproblem tatsächlich löse. Markus Ströbele von der Allianz berichtete von positiven Erfahrungen mit KI-gestützter Dokumentation, Wissensdatenbanken und Support-Agenten. André Männicke von Smart InsurTech ordnete die Entwicklung in Reifestufen ein und betonte, dass die Branche zwar einfache Anwendungen beherrsche, die eigentliche Herausforderung jedoch in der Integration in durchgängige Prozessketten und in agentischen Systemen liege.

Besonders konkret wurde Lars Fuchs von der Domcura. Er schilderte, wie das Unternehmen vor zweieinhalb Jahren damit begonnen habe, das enttäuschende Kundenerlebnis im Schadenprozess grundlegend zu überarbeiten. Erst nachdem die Abläufe vollständig hinterfragt und vereinfacht worden waren, habe die KI ihren Skaleneffekt entfalten können. Der Weg sei kein Selbstläufer gewesen, sondern eine Lernkurve über zwei Jahre. Inzwischen arbeite man sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette voran, von Schaden über Bestand bis hin zu Antrag und Angebot, und entwickle eine Service-KI, die den Kundennutzen in den Mittelpunkt stellt.

Im Zentrum der Debatte stand die Frage, welche Rolle die BIPRO künftig einnehmen soll. Michael Kamfor vom Verein betonte, dass jede Lücke, die durch KI gefüllt werden müsse, eine potenzielle Fehlerquelle darstelle. Was früher Menschen ausgeglichen hätten, könne bei autonomen Systemen schnell zu größeren Problemen führen. Deshalb müsse die Branche Normen künftig noch präziser definieren. Für RNext skizzierte er einen evolutionären Weg, bei dem das BIPRO-Datenmodell semantisch angereichert und explizite Kanäle für Agenten geschaffen werden sollen. Er verglich technische Protokolle wie MCP mit Schienen, die von der Open-Source-Community gestaltet werden könnten, während der Zug und seine semantische Fracht in der Verantwortung der BIPRO bleiben müssten. Männicke unterstützte diese Sicht und verwies auf die Bedeutung digitaler Souveränität. Die über Jahrzehnte gewachsene Datenverbindlichkeit sei der Boden, auf dem agentische Strukturen überhaupt erst entstehen könnten.

Gleichzeitig gab es mahnende Stimmen, die davor warnten, alte Fehler zu wiederholen. Standards müssten künftig für Sprachmodelle entwickelt werden, nicht für Menschen oder Entwickler. MCP sei gewissermaßen das SOAP der KI, weshalb sich ein Blick auf leichtere Alternativen lohne. Eine zentrale Rolle spiele zudem die Frage der Datenhoheit. Sie werde erheblichen Einfluss auf den gesamten MVP-Markt haben, sowohl für Vermittler als auch für Pools. Denn am Ende entscheide die Datenhoheit darüber, welches System das neue Betriebssystem des Maklers werde.

Der Jubiläumskongress machte deutlich, dass die BIPRO nach zwanzig Jahren nicht nur auf eine erfolgreiche Vergangenheit zurückblickt, sondern vor einer Phase tiefgreifender Erneuerung steht. Die Branche erwartet Orientierung, und die BIPRO sieht sich in der Verantwortung, diese zu liefern. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob es gelingt, Standards so weiterzuentwickeln, dass sie im KI-Zeitalter nicht nur bestehen, sondern zu einem zentralen Stabilitätsanker werden.

BIPRO setzt Impulse für gemeinsame KI-Strategie

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Die BIPRO hat in Neuss ihr zwanzigjähriges Bestehen gefeiert und den Jubiläumskongress genutzt, um die Versicherungsbranche auf eine gemeinsame Zukunft im KI-Zeitalter einzuschwören. Rund vierhundert Teilnehmende kamen in der Stadthalle zusammen, um zwei Jahrzehnte Prozessstandardisierung zu würdigen und gleichzeitig die Frage zu diskutieren, wie sich die Branche in einer Zeit rasanter technologischer Umbrüche neu aufstellen muss. Präsident Frank Schrills eröffnete die Veranstaltung mit einer Standortbestimmung, die Rückblick und Zukunftsauftrag miteinander verband. Das modernisierte Logo, das den Namen BIPRO künftig in durchgehenden Großbuchstaben zeigt, soll diesen Anspruch sichtbar machen und die Verbindung von Tradition und Erneuerung betonen.

Die Geschichte des Vereins begann im Jahr 2004, als sich der Düsseldorfer Kreis erstmals traf, um die Prozessabläufe im Versicherungsvertrieb zu strukturieren. Zwei Jahre später wurde die BIPRO offiziell gegründet, mit dem Ziel, fachlich-technische Konventionen zu entwickeln, die Geschäftsprozesse vereinheitlichen und effizienter machen. Heute zählt der Verein 329 Mitglieder aus Versicherern, Vermittlern und Dienstleistern. Die neutrale, marktgruppenübergreifende Zusammenarbeit bildet bis heute das Fundament des Erfolgs. Ein wichtiger Meilenstein war die Gründung der BIPRO Service GmbH, die mit dem BIPRO-Hub eine zentrale Branchendrehscheibe betreibt. Dort sind inzwischen 26 Unternehmen aktiv, und der Hub soll künftig neben der bekannten 430er-Norm auch den Stack RNext Schaden anbieten. Zum Jubiläumskongress wurden zudem zwei weitere große Versicherer gewonnen, deren Teilnahme bis zur offiziellen Verkündung vertraulich blieb.

Der BIPRO-Tag stand jedoch nicht nur im Zeichen des Rückblicks, sondern vor allem im Zeichen der künstlichen Intelligenz. Schrills bezeichnete KI als neue industrielle Revolution, die nicht nur die Versicherungsbranche, sondern die gesamte Gesellschaft verändern werde. Er sprach über Chancen und Risiken, über Energiebedarf, Arbeitsplatzsorgen und die Frage, wie sich KI kontrollieren lässt. Einer verbreiteten These widersprach er deutlich: Die Vorstellung, KI mache Standards überflüssig, sei falsch. Strukturierte Daten seien für Sprachmodelle unverzichtbar, weil sie Fehler reduzieren, Halluzinationen vermeiden und Rechenaufwand senken. KI verschiebe die Rolle der BIPRO von der klassischen Schnittstellenlogik hin zu einem erweiterten Normraum, in dem nicht nur Systeme, sondern auch Agenten, Daten, Dokumente und Entscheidungen miteinander verbunden werden müssen. Als Orientierungspunkt nannte Schrills das Model Context Protocol, das als technischer Rahmen für einen modernisierten BIPRO-Standard dienen könne.

Die anschließende Diskussionsrunde bestätigte diese Einschätzung. Sasha Justmann von blau direkt warnte davor, sich ausschließlich auf einzelne Use Cases zu konzentrieren. Der eigentliche Fortschritt liege in der Reduktion von Fehlerquoten und Durchlaufzeiten, denn ein Prozess sei nur dann wirklich gut, wenn er keine Nacharbeit erzeuge und das Kundenproblem tatsächlich löse. Markus Ströbele von der Allianz berichtete von positiven Erfahrungen mit KI-gestützter Dokumentation, Wissensdatenbanken und Support-Agenten. André Männicke von Smart InsurTech ordnete die Entwicklung in Reifestufen ein und betonte, dass die Branche zwar einfache Anwendungen beherrsche, die eigentliche Herausforderung jedoch in der Integration in durchgängige Prozessketten und in agentischen Systemen liege.

Besonders konkret wurde Lars Fuchs von der Domcura. Er schilderte, wie das Unternehmen vor zweieinhalb Jahren damit begonnen habe, das enttäuschende Kundenerlebnis im Schadenprozess grundlegend zu überarbeiten. Erst nachdem die Abläufe vollständig hinterfragt und vereinfacht worden waren, habe die KI ihren Skaleneffekt entfalten können. Der Weg sei kein Selbstläufer gewesen, sondern eine Lernkurve über zwei Jahre. Inzwischen arbeite man sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette voran, von Schaden über Bestand bis hin zu Antrag und Angebot, und entwickle eine Service-KI, die den Kundennutzen in den Mittelpunkt stellt.

Im Zentrum der Debatte stand die Frage, welche Rolle die BIPRO künftig einnehmen soll. Michael Kamfor vom Verein betonte, dass jede Lücke, die durch KI gefüllt werden müsse, eine potenzielle Fehlerquelle darstelle. Was früher Menschen ausgeglichen hätten, könne bei autonomen Systemen schnell zu größeren Problemen führen. Deshalb müsse die Branche Normen künftig noch präziser definieren. Für RNext skizzierte er einen evolutionären Weg, bei dem das BIPRO-Datenmodell semantisch angereichert und explizite Kanäle für Agenten geschaffen werden sollen. Er verglich technische Protokolle wie MCP mit Schienen, die von der Open-Source-Community gestaltet werden könnten, während der Zug und seine semantische Fracht in der Verantwortung der BIPRO bleiben müssten. Männicke unterstützte diese Sicht und verwies auf die Bedeutung digitaler Souveränität. Die über Jahrzehnte gewachsene Datenverbindlichkeit sei der Boden, auf dem agentische Strukturen überhaupt erst entstehen könnten.

Gleichzeitig gab es mahnende Stimmen, die davor warnten, alte Fehler zu wiederholen. Standards müssten künftig für Sprachmodelle entwickelt werden, nicht für Menschen oder Entwickler. MCP sei gewissermaßen das SOAP der KI, weshalb sich ein Blick auf leichtere Alternativen lohne. Eine zentrale Rolle spiele zudem die Frage der Datenhoheit. Sie werde erheblichen Einfluss auf den gesamten MVP-Markt haben, sowohl für Vermittler als auch für Pools. Denn am Ende entscheide die Datenhoheit darüber, welches System das neue Betriebssystem des Maklers werde.

Der Jubiläumskongress machte deutlich, dass die BIPRO nach zwanzig Jahren nicht nur auf eine erfolgreiche Vergangenheit zurückblickt, sondern vor einer Phase tiefgreifender Erneuerung steht. Die Branche erwartet Orientierung, und die BIPRO sieht sich in der Verantwortung, diese zu liefern. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob es gelingt, Standards so weiterzuentwickeln, dass sie im KI-Zeitalter nicht nur bestehen, sondern zu einem zentralen Stabilitätsanker werden.