Künstliche Intelligenz: Mehr Druck statt Entlastung?

Kategorien: KI, Software3,7 min read

KI am Arbeitsplatz: Warum viele Beschäftigte die Arbeit ohne Künstliche Intelligenz vermissen
Die anfängliche Euphorie rund um Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz scheint zunehmend einer kritischeren Betrachtung zu weichen. Eine aktuelle Studie der Technologieberatung Adaptavist zeigt, dass viele Beschäftigte die Auswirkungen von KI im Berufsalltag deutlich skeptischer bewerten als noch vor wenigen Jahren. Statt der erhofften Entlastung erleben zahlreiche Wissensarbeiter zusätzlichen Aufwand, wachsenden Leistungsdruck und neue Herausforderungen bei der täglichen Arbeit.

Für die Untersuchung „Die Welt im Wandel: Der Preis der KI-Transformation“ befragte Adaptavist weltweit 2.500 Fachkräfte, darunter 500 Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeiter in Deutschland. Das Ergebnis fällt überraschend deutlich aus: 72 Prozent der Befragten blicken mit einer gewissen Sehnsucht auf eine Arbeitswelt ohne KI zurück. 41 Prozent würden generative KI-Tools sogar am liebsten vollständig aus ihrem Berufsalltag verbannen.

Die Ursachen für diese Skepsis liegen nach Einschätzung der Studienautoren vor allem in der Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Viele Unternehmen haben Künstliche Intelligenz eingeführt, um Produktivität, Effizienz und Automatisierung zu steigern. Tatsächlich berichten jedoch zahlreiche Beschäftigte von einer zusätzlichen Belastung. So geben 39 Prozent der deutschen Teilnehmer an, mittlerweile mehr Zeit in die Kontrolle, Korrektur und Validierung von KI-generierten Ergebnissen investieren zu müssen, als sie durch den Einsatz der Technologie überhaupt einsparen.

Hinzu kommen Qualitätsprobleme bei den von KI-Systemen erzeugten Inhalten. Nach Angaben der Befragten bremsen fehlerhafte oder ungenaue Ergebnisse regelmäßig Arbeitsabläufe aus. 42 Prozent sind überzeugt, dass mangelhafte KI-Ausgaben ihre Projekte verzögern. Fast jede zweite Person, nämlich 49 Prozent, berichtet zudem, dass solche Fehler die Effizienz des gesamten Teams beeinträchtigen. Die erhofften Produktivitätsgewinne durch Künstliche Intelligenz werden dadurch häufig wieder aufgehoben.

Auch auf einer grundsätzlicheren Ebene äußern viele Beschäftigte Bedenken. Zahlreiche Teilnehmer haben den Eindruck, dass der Einsatz von KI den Wert ihrer eigenen Qualifikation, ihres Fachwissens und ihrer beruflichen Erfahrung schmälert. Besonders häufig wird kritisiert, dass die Technologie kreative Prozesse einschränke und damit die individuelle Gestaltungskraft der Mitarbeitenden begrenze. Ebenso verbreitet sind Sorgen um Datenschutz, Überwachung und Datensicherheit sowie die Befürchtung, dass KI-Systeme missbräuchlich eingesetzt werden könnten.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die wachsende Menge an minderwertigen, automatisch erzeugten Inhalten, die häufig unter dem Begriff „AI Slop“ zusammengefasst werden. Viele Beschäftigte empfinden ihre Arbeit dadurch als weniger sinnvoll und zugleich deutlich repetitiver. 45 Prozent der Befragten vertreten die Auffassung, dass solche Inhalte die Qualität ihrer Arbeit beeinträchtigen und monotone Tätigkeiten fördern. Gleichzeitig berichten 37 Prozent, dass diese Entwicklung ihre Motivation spürbar senkt. Nach Ansicht vieler Teilnehmer führen KI-generierte Masseninhalte außerdem dazu, dass Arbeitsumgebungen unübersichtlicher werden und wichtige Informationen schwerer auffindbar sind.

Trotz der Kritik lehnen die meisten Befragten Künstliche Intelligenz jedoch nicht grundsätzlich ab. Im Gegenteil: Zwei Drittel der deutschen Teilnehmer würden sich sogar wünschen, dass ihre Unternehmen KI noch stärker einsetzen. Dieses scheinbare Paradox erklärt sich dadurch, dass sich die Kritik weniger gegen die Technologie selbst richtet als gegen deren konkrete Umsetzung in den Unternehmen. Viele Beschäftigte sehen durchaus Potenzial in KI-Anwendungen, erwarten jedoch einen sinnvolleren, transparenteren und zielgerichteteren Einsatz.

Das Vertrauen in den verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie ist dabei vergleichsweise hoch. 64 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass KI in ihrem Unternehmen ethisch vertretbar eingesetzt wird. 62 Prozent halten die Einführung der Systeme zudem für ausreichend transparent. Gleichzeitig bleibt jedoch eine erhebliche Unsicherheit bestehen. Vier von zehn Beschäftigten geben an, häufig nicht nachvollziehen zu können, weshalb sie KI überhaupt nutzen sollen. Ein ähnlich großer Anteil berichtet von sogenannter KI-Müdigkeit, also einer zunehmenden Erschöpfung und Ablehnung gegenüber dem ständigen Druck, neue KI-Werkzeuge in den Arbeitsalltag integrieren zu müssen.

Nach Einschätzung der Studienverantwortlichen liegt genau hier der Kern des Problems. Die Einführung von KI-Technologien bedeutet nicht automatisch, dass Mitarbeitende deren Nutzen erkennen oder ihre Verwendung befürworten. Während Unternehmen häufig auf eine schnelle Implementierung von Künstlicher Intelligenz setzen, bleibt die Akzeptanz der Belegschaft vielerorts hinter den Erwartungen zurück. Die wachsende Enttäuschung ist daher weniger Ausdruck einer generellen Technologiefeindlichkeit als vielmehr ein Hinweis darauf, dass erfolgreiche KI-Strategien neben technischen Lösungen auch Überzeugungsarbeit, Schulungen und einen klar erkennbaren Mehrwert für die Beschäftigten erfordern.

Der Artikel erschien im Original zuerst auf computerwoche.de unter dem Titel „KI am Arbeitsplatz: Zwei Drittel würden das Rad gerne zurückdrehen“. Redaktionelle Bearbeitung: MK

Künstliche Intelligenz: Mehr Druck statt Entlastung?

Kategorien: KI, Software3,7 min read

KI am Arbeitsplatz: Warum viele Beschäftigte die Arbeit ohne Künstliche Intelligenz vermissen
Die anfängliche Euphorie rund um Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz scheint zunehmend einer kritischeren Betrachtung zu weichen. Eine aktuelle Studie der Technologieberatung Adaptavist zeigt, dass viele Beschäftigte die Auswirkungen von KI im Berufsalltag deutlich skeptischer bewerten als noch vor wenigen Jahren. Statt der erhofften Entlastung erleben zahlreiche Wissensarbeiter zusätzlichen Aufwand, wachsenden Leistungsdruck und neue Herausforderungen bei der täglichen Arbeit.

Für die Untersuchung „Die Welt im Wandel: Der Preis der KI-Transformation“ befragte Adaptavist weltweit 2.500 Fachkräfte, darunter 500 Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeiter in Deutschland. Das Ergebnis fällt überraschend deutlich aus: 72 Prozent der Befragten blicken mit einer gewissen Sehnsucht auf eine Arbeitswelt ohne KI zurück. 41 Prozent würden generative KI-Tools sogar am liebsten vollständig aus ihrem Berufsalltag verbannen.

Die Ursachen für diese Skepsis liegen nach Einschätzung der Studienautoren vor allem in der Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Viele Unternehmen haben Künstliche Intelligenz eingeführt, um Produktivität, Effizienz und Automatisierung zu steigern. Tatsächlich berichten jedoch zahlreiche Beschäftigte von einer zusätzlichen Belastung. So geben 39 Prozent der deutschen Teilnehmer an, mittlerweile mehr Zeit in die Kontrolle, Korrektur und Validierung von KI-generierten Ergebnissen investieren zu müssen, als sie durch den Einsatz der Technologie überhaupt einsparen.

Hinzu kommen Qualitätsprobleme bei den von KI-Systemen erzeugten Inhalten. Nach Angaben der Befragten bremsen fehlerhafte oder ungenaue Ergebnisse regelmäßig Arbeitsabläufe aus. 42 Prozent sind überzeugt, dass mangelhafte KI-Ausgaben ihre Projekte verzögern. Fast jede zweite Person, nämlich 49 Prozent, berichtet zudem, dass solche Fehler die Effizienz des gesamten Teams beeinträchtigen. Die erhofften Produktivitätsgewinne durch Künstliche Intelligenz werden dadurch häufig wieder aufgehoben.

Auch auf einer grundsätzlicheren Ebene äußern viele Beschäftigte Bedenken. Zahlreiche Teilnehmer haben den Eindruck, dass der Einsatz von KI den Wert ihrer eigenen Qualifikation, ihres Fachwissens und ihrer beruflichen Erfahrung schmälert. Besonders häufig wird kritisiert, dass die Technologie kreative Prozesse einschränke und damit die individuelle Gestaltungskraft der Mitarbeitenden begrenze. Ebenso verbreitet sind Sorgen um Datenschutz, Überwachung und Datensicherheit sowie die Befürchtung, dass KI-Systeme missbräuchlich eingesetzt werden könnten.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die wachsende Menge an minderwertigen, automatisch erzeugten Inhalten, die häufig unter dem Begriff „AI Slop“ zusammengefasst werden. Viele Beschäftigte empfinden ihre Arbeit dadurch als weniger sinnvoll und zugleich deutlich repetitiver. 45 Prozent der Befragten vertreten die Auffassung, dass solche Inhalte die Qualität ihrer Arbeit beeinträchtigen und monotone Tätigkeiten fördern. Gleichzeitig berichten 37 Prozent, dass diese Entwicklung ihre Motivation spürbar senkt. Nach Ansicht vieler Teilnehmer führen KI-generierte Masseninhalte außerdem dazu, dass Arbeitsumgebungen unübersichtlicher werden und wichtige Informationen schwerer auffindbar sind.

Trotz der Kritik lehnen die meisten Befragten Künstliche Intelligenz jedoch nicht grundsätzlich ab. Im Gegenteil: Zwei Drittel der deutschen Teilnehmer würden sich sogar wünschen, dass ihre Unternehmen KI noch stärker einsetzen. Dieses scheinbare Paradox erklärt sich dadurch, dass sich die Kritik weniger gegen die Technologie selbst richtet als gegen deren konkrete Umsetzung in den Unternehmen. Viele Beschäftigte sehen durchaus Potenzial in KI-Anwendungen, erwarten jedoch einen sinnvolleren, transparenteren und zielgerichteteren Einsatz.

Das Vertrauen in den verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie ist dabei vergleichsweise hoch. 64 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass KI in ihrem Unternehmen ethisch vertretbar eingesetzt wird. 62 Prozent halten die Einführung der Systeme zudem für ausreichend transparent. Gleichzeitig bleibt jedoch eine erhebliche Unsicherheit bestehen. Vier von zehn Beschäftigten geben an, häufig nicht nachvollziehen zu können, weshalb sie KI überhaupt nutzen sollen. Ein ähnlich großer Anteil berichtet von sogenannter KI-Müdigkeit, also einer zunehmenden Erschöpfung und Ablehnung gegenüber dem ständigen Druck, neue KI-Werkzeuge in den Arbeitsalltag integrieren zu müssen.

Nach Einschätzung der Studienverantwortlichen liegt genau hier der Kern des Problems. Die Einführung von KI-Technologien bedeutet nicht automatisch, dass Mitarbeitende deren Nutzen erkennen oder ihre Verwendung befürworten. Während Unternehmen häufig auf eine schnelle Implementierung von Künstlicher Intelligenz setzen, bleibt die Akzeptanz der Belegschaft vielerorts hinter den Erwartungen zurück. Die wachsende Enttäuschung ist daher weniger Ausdruck einer generellen Technologiefeindlichkeit als vielmehr ein Hinweis darauf, dass erfolgreiche KI-Strategien neben technischen Lösungen auch Überzeugungsarbeit, Schulungen und einen klar erkennbaren Mehrwert für die Beschäftigten erfordern.

Der Artikel erschien im Original zuerst auf computerwoche.de unter dem Titel „KI am Arbeitsplatz: Zwei Drittel würden das Rad gerne zurückdrehen“. Redaktionelle Bearbeitung: MK